Die Hoffnung stirbt zuletzt!

So weit sind wir schon gekommen. Dank inflationär verwendeter Apostrohpe (ja, der Apostroph!), ist es offenkundig schon notwendig geworden, ganz einfache und gut zu merkende Schautafeln mit anschaulichen Beispielen zu veröffentlichen. So witzig sie auch sind, so gefährlich sind sie mitunter aber auch.
Das Risiko bei derlei fremdsprachigen Veröffentlichungen (im Internet) besteht jedoch nicht in der Tatsache, dass sie verstanden, sondern vielmehr in dem Umstand, dass sie aus dem jeweils anderen Sprachraum ebenso sinnentleert überführt werden könnten, wie diverse andere Begriffe, für die es eigentlich auch schöne und Deutsche Worte oder Umschreibungen gibt. Dass es bei vielen halbwegs deutschsprachigen Mitbürgern als enorm chic angesehen wird, möglichst viele Begriffe und Redewendungen aus dem englischen Sprachraum zu übernehmen, dürfte hinreichend bekannt sein. Dabei scheint es weder eine Rolle zu spielen, ob man das Gesagte überhaupt selber begriffen hat, noch ob man vom Gegenüber verstanden wird und schon mal gar nicht, ob es sich in die Deutsche Grammatik einfügt.
Es ist nämlich mitnichten so, mit einem gut klingenden Wort aus einer Nicht-Deutschen Sprache auch gleich dessen Grammatik übernehmen zu müssen. So wäre es bei folgendem Beispiel eigentlich angebracht, unter Olivers Haaren mindestens einen Frisör mit Rechtschreibschwäche zu vermuten, vielleicht aber sogar mehrere.

Einzig der Umstand, dass die britische Krone oder Präsident Obama dieses Haus annektiert haben könnten, würde den beherzten Einsatz dieses Satzzeichens rechtfertigen können. Das erscheint jedoch relativ unwahrscheinlich und wäre in der hiesigen Presse gewiss auch thematisiert worden.
Solange jedoch beim „Italiener“, also jenem Exilkoch mit dem aufgesetzten 20-Cent-Plastikcharme, noch weltmännisch „due espressi“ anstatt der zwei Espressos bestellt werden, ist wohl weiterhin viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Dabei soll mal außer Acht gelassen werden, dass es eigentlich „due caffè“ heißen müsste. Das ist aber dann eher kulinarischer Natur und soll nicht weiter verwirren. Deutsche Grammatik hat aber nicht nur beim Spaghetti-Dompteur des Vertrauens ihre Daseinsberechtigung. Nein, auch den teils sehr jugendlichen und sehr austauschbaren Kaffeekochern („Baristas“) der unzähligen „Kaffee-zum-Weggehen“ Schuppen („Coffee 2 Go“) darf die Bestellung Urdeutsch entgegen geschleudert werden. Der „Latte macchiato“ mit „pure natural caramel flavor“ wird deshalb trotzdem ein italienischer Kinderkaffee mit Karamellaroma werden und weiterhin 8,50 Euro kosten. Lediglich der Gesichtsausdruck der Bedienung ist eventuell unbezahlbar.
Ich rate also jedem, der gerne mal wieder so richtig deftig Deutsch sprechen möchte, das (hoffentlich) einst Gelernte zu reaktivieren und bei den unvermeidlichen fremdsprachigen Begriffen ganz solide die Deutsche Grammatik anzuwenden. Denn nur dann kann man hier vielleicht auch mal wieder vollkommen angstfrei zum Haarschneiden gehen und muss an der Theke keine Begrüßung in einem selten gesprochenen Bergdialekt befürchten.
Hello!3 Comments to “Die Hoffnung stirbt zuletzt!”
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Moin…
Alles richtig, nur ein kleiner Fehler:
()
“[…]inflationär verwendeter Apostrohpe […]”
Da haben sich das p und h von Apostroph ‘nen Scherz erlaubt
Grüße,
SWF
PS: macht mir aber trotzdem jedesmal Spaß deinen Blog zu lesen
Oha, das werde ich bis an mein Lebensende wie einen eitrigen Stachel in meinem Herzen tragen. Trotzdem bleibt der Fehler als Mahnmal für meine offenkundige Fehlbarkeit bestehen.
Danke dafür und für den Rest