Wir machen es nur schlimmer
Mit dem Film „Zivilcourage“ und Götz George in der Hauptrolle, hat die ARD gestern Abend zur besten Sendezeit mit feinsten Linien ein düsteres Bild unserer Gesellschaft gezeichnet. Die Story ist schnell erzählt und durchaus realitätsnah. Götz George, in der Rolle eines Antiquariatsinhabers in einem Berliner Problemviertel, beobachtet eines Nachts, wie Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund einen älteren Mann mit Hund halb tot prügeln. Beherzt schreitet er ein, rettet dem Opfer so wahrscheinlich das Leben und leitet mit diesem Akt der Zivilcourage sein eigenes Martyrium ein.
Von dem Moment seines couragierten Handels an, wandelt er zwischen der Verdrossenheit der Polizei, Angst vor den Tätern, Anfeindungen aus dem eigenen Umfeld und dem drohenden Verrat der eigenen Werte. Der gesamte Verlauf verzichtet gänzlich auf Knalleffekte oder vordergründige Füllszenen. Er ist durchweg bedrückend und stimmt nachdenklich. Als Essenz bleibt man mit der Frage zurück, wie es um die eigene Zivilcourage bestellt ist und ob wir, wie Götz George es gegen Ende zusammenfasst, es selber immer Schlimmer machen. Hierbei spielt es im Grunde auch überhaupt keine Rolle, welcher ethnischen oder religiösen Herkunft die einzelnen Beteiligten sind, denn es geht um etwas anderes. Es geht um unsere Werte und darum, in was für einem Land wir alle leben wollen. Und es geht darum, dass man sich für ein freies Leben auch mal unbeliebt machen muss.
Ich bin der ARD sehr dankbar für den Film und sehe mich in meinen Bestreben möglichst immer Zivilcourage zu beweisen, bestärkt. Gleichzeitig bin ich mir aber, mehr denn je, der Gefahren bewusst. Es ist zwar nicht so, dass ich in meiner Kindheit und Jugend nicht ausreichend oft mit Gewalt konfrontiert war, aber die Qualität ist doch eine andere. Damals hat man mit den Schmuddelkindern gespielt und auch mal aufs Maul bekommen. Ich kenne auch das Gefühl nur mit Angst raus zum Spielen zu gehen oder Opfer von tätlichen Angriffen in späteren Jahren zu werden. All das hat mich aber offenbar eher in die Richtung gehend geprägt, dass ich diese Erfahrung mir und anderen ersparen will, sodass ich in solchen Situationen auf die eine oder andere Weise eingreife.
Trotzdem wünsche ich mir wieder eine Gesellschaft, in der nicht weggesehen wird. Ich möchte mir relativ sicher sein können ebenfalls Hilfe zu erfahren, wenn ich in Not gerate. Und da können solche Filme ihren Beitrag leisten.
Schade nur, dass uns der Dampfplauderer Frank Plasberg in der anschließenden Beliebigkeitsrunde „hart aber fair“ die andere Seite der Gesellschaft gezeigt hat, Selbstgefälligkeit.
Hello!One Comment to “Wir machen es nur schlimmer”
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Tja, da hast du wohl recht. Treten auf einen der schon am Boden liegt, das gab es selbst bei den grössten Asis nicht; das ist heut schon Standart.