Kaufen oder Wegsehen?

Also, grundsätzlich bin ich natürlich der Meinung, dass sich ein Staat, in dem Fall der Deutsche, an die eigenen Gesetze und Regeln halten muss. Im vorliegenden Fall, der angebotenen CD mit Daten zu Deutschen mit Konten in der Schweiz, scheinen sich die Experten jedoch gar nicht mal so sicher zu sein, ob es sich dabei tatsächlich um Hehlerei handelt. Die Auffassungen gehen da weit auseinander. Hinzu kommt, dass, selbst wenn der Ankauf rechtlich nicht fragwürdig ist, eine Gerichtsverwertbarkeit noch auf einem ganz anderen Blatt zu stehen scheint. Das hätte, im Fall einer Ablehnung als Beweismittel, zur Folge mit Nichts in den Händen, als einem Datenträger ohne Bedeutung und 2,5 Millionen Euro weniger in der Tasche dazustehen.

Das Argument des Datenschutzes oder des unzulässigen Eingriffs in die Privatsphäre mag ich aber in keinem Fall gelten lassen. Schon vor Jahren wurde ein Gesetz verabschiedet, welches den Finanzbehörden uneingeschränkten Zugriff auf alle Deutschen Konten eines jeden Bundesbürgers gestattet, sobald auch nur der Hauch des Verdachtes auf Steuerhinterziehung besteht. Von diesem Recht wird auch zweifelsohne rege Gebrauch gemacht. Insofern müssen sich die Betroffenen eh damit abfinden, dass sie durchleuchtet werden. Eine Ausweitung auf ausländische Konten wäre hier nur konsequent. Allerdings, und das ist ein ganz entscheidender Aspekt, mauern hier die Steueroasen. Nicht zuletzt die Schweizer Banken und Regierung. Je größer und je lauter die offen zur Schau getragene Empörung aus dieser Richtung wird, umso sicherer bin ich mir, dass allesamt genau wissen, was sie seit Jahren praktizieren, dass es nicht legal ist und eigentlich nur die eigenen Pfründe geschützt werden sollen.

Ich möchte aber, so sehr ich mich über die „Schweizer“ Haltung ärgere, viel lieber auf die Großkriminellen in den eigene Reihen blicken, auf die Deutschen Steuerflüchtlinge. Auch hier gilt selbstredend, vor dem Gesetzt sind und sollen alle gleich sein. Es spielt also keine Rolle, ob der emsige Dachdecker ein Päckchen Schwarzgeld unter der Kittelschürze seiner Gattin in ein anderes Land verschiebt oder die so genannten „Leistungsträger“ unserer Gesellschaft. Und genau hier kann ich meine sehr subjektive Sicht auf die Dinge nicht mehr im Zaum halten. Genau die Leistungsträger, also jene Damen und Herren, die sich nur zu gerne feiern und mit feinsten Köstlichkeiten vollstopfen lassen, nehmen ihr Leistungsträger-Salär und enthalten den dem Deutschen Volk zustehenden Anteil daran vor. Der Hals will halt einfach nicht voll werden. Und da ist es nach meinem Empfinden nur gerecht und sinnvoll, wenn man diese Leistungsträger mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln daran erinnert, wo sie ihre Leistung erbringen dürfen und wer ihnen das Leben in Saus und Braus schlussendlich finanziert.

Es darf einfach nicht angehen, dass die „Großen“ aus Politik, Sport und Wirtschaft immer wieder ungeschoren und unbehelligt davon kommen und sich, kaum ist der erste Pulverdampf verzogen, wieder einmal für ihre heroischen Taten bejubeln lassen. Was interessiert mich zum Beispiel das Comeback eines Michael Schuhmacher in einem Mercedes Silberpfeil, wenn ich einerseits weiß, dass dieser Neuanfang auf dem monetären Buckel der Angestellten und Beschäftigten im deutlich angeschlagenen Unternehmen vollzogen wird und besagter Titan der Formel-1-Szene darüber hinaus sein „Sauerverdientes“ ebenso schnell in die Schweiz transferiert, wie er seine Konkurrenz überrundet? Nichtsdestotrotz bleibt die ganze Sache extrem heikel und besonders ärgerlicher. Mein Ärger über das organisierte und staatliche geschützte Verbrechen in der Schweiz, lässt mit fast schon danach schreien, dass unserem Finanztransporter Wolfgang „Der Ruchlose“ Schäuble schnellstens ein reich gefüllter Schweinslederkoffer auf den Schoß gelegt wird und ihn jemand zur Geldübergabe schiebt. Und wenn die rechtlichen Bedenken doch so arg sind, dann bringt meinetwegen im Eilverfahren ein entsprechendes Gesetzt durch den Bundestag. Das hat schon mit ganz anderen Dingen geklappt, wo es nebenbei um weit weniger ging.

Und nun noch ein abschließendes Wort an euch, liebe Schweizer. Ich kann die breite Empörung und das Trommeln euer rechtspopulistischen Partei einfach nicht mehr hören. Erzürnt euch lieber mal am augenscheinlichen und seit Jahrzehnten praktizierten Fehlverhalten eurer eigene Regierung und Geldinstitute. Ihr habt lange genug auf Kosten anderer Staaten das Bruttosozialprodukt im Land in immer neue Regionen gehoben. Es wird Zeit, dass ihr euch nach neuen, ehrlichen Geldquellen umseht und endlich eine aufrechte und transparente Integration in alle euch umgebenden (EU-)Länder anstrebt. Andernfalls verwirkt ihr über kurz oder lang schlicht das Recht auf Einspruch.

Hello!

11 Comments to “Kaufen oder Wegsehen?”

  1. Jano 2 Februar 2010 at 16:48:14 #

    Ein guter, wenn vielleicht auch etwas einseitig geschriebener Bericht. Vergiss aber nicht, dass die Mehrheit der Schweizer der EU nicht beitreten will.

    Da ich kein guter Schreiber bin, rede ich lieber mal gerne mit Dir über das ganze Thema.

    Wenn Du mal Lust hast, so bist Du herzlich eingeladen in unser bescheidenes Heim, da können wir gerne mal über das Thema diskutieren. Es würde uns freuen!

    Lieber Gruss aus dem Aargau.

  2. Keule 2 Februar 2010 at 17:34:02 #

    Lieber Jano,

    ich danke Dir für Deine freundliche Einladung, der ich hoffentlich sehr bald mal nachkommen kann. Und Du hast unbestritten recht, wenn Du diesen Kommentar als einseitig geschrieben betrachtest. Es ist halt nur meine Meinung zu dem Thema und eine Einzelmeinung ist nun mal leider sehr oft in eine Richtung geprägt. Es geht mir auch keineswegs darum, das Schweizer Volk zu diskreditieren oder zu beleidigen.

    Es will mir nur einfach nicht in den Kopf, dass dieser Fall der Anti-Deutsch-Haltung wieder so viel Vorschub leistet und sich hohe Schweizer Politiker, bzw. Bosse der Schweizer Kreditinstitute das Recht herausnehmen, der Deutschen Regierung vorzuschreiben, wie sie mit den hiesigen Gesetzen umzugehen hat. Vor allem deshalb, weil dieses Vorgehen nur dazu dient, sich selber vor einem Eingriff von Außen zu schützen.

    Und dass die Mehrheit der Schweizer nicht in die EU will, ist legitim, wenngleich auch nicht ganz nachvollziehbar. Denn alleine die Klimmzüge, die von der Schweizer Regierung gemacht werden müssen, um mit der EU weiterhin Geschäfte machen zu können, würden ein Umdenken nahelegen. Aber wäre die Schweiz tatsächlich EU-Mitglied, wäre auch schlagartig Schluss mit den geheimen Konten für ausländische Steuerflüchtlinge. Und hier schließt sich spätestens jetzt der Kreis.

  3. Jano 2 Februar 2010 at 22:29:50 #

    Mein Standpunkt sieht etwas anders aus, aber ich kann oder beser will mich nicht in der Öffentlichkeit darüber äussern.

    Natürlich akzeptiere ich Deine Meinung, kann Sie aber nicht nachvollziehen.

    Es wäre schön wenn das mit dem Besuch klappen würde, jano-frau würde sich auch sehr darüber freuen.

  4. Keule 2 Februar 2010 at 22:35:29 #

    Das ist okay, alles :-)

  5. Jano 2 Februar 2010 at 22:44:20 #

    Das ist doch alles was von mir kommt ;-)

  6. Mario H. 4 Februar 2010 at 00:04:27 #

    Nur eine Frage: gäbe es eine Diskussion, wenn auf der CD die Daten kleiner Drogendealer drauf wären? Oder die von Taschendieben? Oder gar von HartzIV-Betrügern?

  7. Keule 4 Februar 2010 at 08:18:01 #

    Hallo Mario,

    ich glaube, es gäbe dann keine Diskussion. Hier im Land stehen Hartz IV (bald VDL I) Empfänger eh unter Generalverdacht. Insofern würde sich garantiert niemand aufregen. Kleine Drogendealer gibt es nicht mehr, seitdem die CDU die Kinderarbeit mehr oder weniger zur Chefsache und damit legalisiert hat. Bleiben die Taschendiebe. Die sind einfach uninteressant, seit die Weihnachtsmärkte wieder in die Garagen geschoben wurden.

    Nein, ehrlich, diese Diskussion ist nur möglich, weil auf der CD Namen aus Politik und Wirtschaft zu finden sein werden, die man quer durch alle Reihen lieber nicht dort finden möchte.

  8. Loretta 7 Februar 2010 at 16:24:40 #

    Was mich mal interessiert: Sind die Zwofünf eigentlich netto oder brutto? Versteuert der Datendealer diese Einnahme?

    “Ja, danke dann! Ähm, also, … brauchen Sie dafür ‘ne Rechnung, Herr Schäuble, oder geht das so? Hm?!

  9. Jan 18 Februar 2010 at 16:08:24 #

    Was mich bei solchen Diskussionen (und auch bei der Hetze von Frau Westerwelle) immer wieder aufregt, ist der Begriff “Leistungsträger”: Damit sind im allgemeinen Sprachgebrauch die ganzen Bosse und Politiker gemeint, die aber ja eigentlich nur die Leistungsgetragenen sind. Die Leute, die Fahrzeuge und Züge fahren lassen und in den Fabriken am Band stehen oder als Krankenschwestern, Altenpfleger etc. ihren Dienst tun, das sind die Leistungsträger.

    Die Getragenen vergessen währenddessen die hunderttausend Mark von einem Waffenhändler, wähnen jüdischen Vermächtnisse oder nehmen die Bestellungen für die nächste Mehrwertsteuer-Reform an. Andere Getragene manövrieren mal eben ganze Volkswirtschaften in den Orkus und kriegen dafür Millionen-Trostpflästerchen, wenn sie ganz doll versprechen, das nicht noch mal zu machen versuchen.

    Wenn man mit einer CD und vielleicht sogar mit der Hilfe der SVP, die deutsche Konten und Stiftungen veröffentlichen will, solche Hanseln bestrafen kann, dann soll’s mir recht sein.

    Ach ja, und dass die Schweiz eigentlich in die EU gehört ist ja sowieso klar.

  10. Jano 19 Februar 2010 at 00:02:33 #

    [quote="Jan"]Ach ja, und dass die Schweiz eigentlich in die EU gehört ist ja sowieso klar.
    [/quote]

    Ich denke nicht dass die Schweiz die EU retten kann. Oder wie ist das gemeint?

  11. Keule 20 Februar 2010 at 11:15:00 #

    Nein, ich bin sicher, dass Jan genau das meinte :-)


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