Im Wiegeschritt zu gutem Benehmen

Wer lang hat, lässt lang hängen. Und das macht man ja nicht umsonst. Die ganze Welt soll teilhaben und sich an der vermeintlichen Pracht erfreuen. So jedenfalls die landläufige Meinung. Mit der sogenannten eEtiquette-Sammlung von 101 Benimmregeln im Internet und auf sozialen Plattformen, bzw. beim eMail-Verkehr, macht uns die Telekom in einer süffigen Mischung aus Schlüpfrigkeit und betonter Prüderie einen Strich durch die Rechnung. Oder um im angestrengten Duktus zu bleiben: René Obermann legt uns verbal das digitale Badetuch um die Hüften.
Manches ist auch gar nicht so falsch und deckt sich bis knapp an die 100% mit meinen Wertvorstellungen von Sitte und Anstand im Internet. Allerdings sollte man sich bei manch einer der liebevoll durchformten Regeln schon fragen, wo der Autor seine Freizeit zu verbringen pflegt. Die oft doch sehr blumigen Vergleiche lassen durchaus Rückschlüsse auf gewisse Verhaltensmuster zu, die, ohne zu persönlich werden zu wollen, dem einen oder anderen fremd oder gar befremdlich erscheinen mögen. Aber vielleicht basieren sie auch nur auf zwangsweise erlangten Erfahrungen des digitalen Moralapostels und ihre Verarbeitung im Online-Knigge 2.0 dient teils zur Auflockerung des recht strengen Themas und zum anderen zur Bewältigung der eigenen, sehr tief sitzenden Traumata.
Ich jedenfalls halte es hier nicht ganz so mit der Buchstabentreue und verfahre lieber dem individuellen Umstand angemessen. Oder um noch mal im Wortbild zu bleiben: wenn jemand seine Glocken bewusst und mit Vorsatz vor meinen Augen läutet, dann schaue ich auch hin!
Hello!One Comment to “Im Wiegeschritt zu gutem Benehmen”
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Also ich finde die Auflistung eigentlich sehr lesens- und beachtenswert.
Nur eins: Im Teilchenbeschleuniger bleibt das Handy an! Nicht auszudenken, ich komme schweißnass mit 3 Striezel, 2 Amerikanern, 4 Schnecken, 1 SKK (Schwarzwälderkirsch) und 1 x Käsesahne vom Bäcker zurück und dann heißt es, man hätte versucht, mich anzurufen, weil XY doch lieber keine SKK hätte!
Und das mit dem Handy im Krankenhaus, dass die Intensivelektronik lahmlegt, war doch eine Mär, dachte ich, die das teure krankenhauseigene Telefonieren fördern soll.